Voilà,
Montreal (dieses Mal und auch in Zukunft ohne Kosmopoliten-Akzent geschrieben).
Die Stadt macht in den ersten Tagen gleich mehrfach Eindruck. Es ist wirklich die im Reiseführer beschriebene flüssige Mischung aus französischer und englischer Sprache. Und Downtown stehen neben glänzenden Bankhochhäusern gerne mal alte Kirchen und Gebäude mit vernagelten Fenstern. Nicht ohne Reiz, aber teilweise etwas seltsam.
Sonst alles super, habe heute mit einem großen Haufen das Klo verstopft.
Stolz, Claudius.




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July 29th, 2008 at 01:15am
L’architecture
ist ebenso abwechslungsreich wie die Stadt an sich und gefällt mir zum Teil ganz hervorragend. Es gibt herrliche Industriegebiete, rostige Fabrikhallen und Hinterhöfe voller Schrott. Toll. Und eben schicke renovierte Gebäude und große Lofts die in den Geschäftsstraßen stehen und bestimmt von ganz hippen jungen Leuten gemietet werden. Die haben bestimmt alle Macs!
Jetzt geht es mit einem Mietwagen eine Woche auf’s Land: großer See, Wald, Felder, Fähre über den St. Lorenz-Strom und Quebec City.
Claudius



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August 2nd, 2008 at 18:57pm
En route.
Hier zwei wichtige Bestandteile unserer Fahrt auf’s Land: Straßen und Bäume. Die Straßen sind genauso breit, wie man sie erwartet und ich fand die Fahrten darauf überaus angenehm. Auf den Landstraßen gilt 90 km/h und auf den kurvenarmen Highways darf man sogar wahnsinnige 100 km/h fahren. Die Landstraßen machen aber viel Spaß und man kann dank Tempomat und Automatik seine Blicke und Gedanken für andere Dinge nutzen. Zu den Bäumen: Viele, alle grün, einige mit Hirsch.
Claudius


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August 12th, 2008 at 16:01pm
Chez moi.
Das Suchen hat sich gelohnt: Seit einer Woche habe ich ein Zimmer, ein Appartement, ein Viertel und eine Adresse. Ich wohne hier mit zwei weiteren Menschen zusammen (ja, echte Menschen), Audrey und David, Mädchen und Junge. Sie Cinema, er Advertising, beide sehr angenehm und normal denkend. Die Wohnung sieht nicht nur gut aus, sie ist auch noch prima gelegen, mitten in einem netten Viertel mit allem, was man braucht. Post also an: 4383 Avenue de Lorimier, Montreal QC, H2H 2B3 (das ist die Postleitzahl).
Claudius


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August 17th, 2008 at 00:10am
Le paysage
Auch wenn ich schon wieder in Montreal bin, hier noch ein paar Eindrücke der Fahrt auf’s Land. Es gab viel zu sehen, vor allem Landschaft, Wälder, Seen, Flüsse, Himmel und das ganze Naturzeugs eben. Die Ortschaften sind entweder triste Bauerndörfer, in deren Zentrum ein ganz besonders großes Getreidesilo steht, oder aufgebrezelte Touristenabsteigen, mit Motels, Golfplätzen und Bars. Wir haben von allem etwas gemacht: Fahrrad, Kanu, Zoo, Museum, Ahornsirup, Magen-Darm.
Claudius




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August 18th, 2008 at 16:05pm
Le dimanche
Der erste Sonntag alleine in der großen Stadt. Was also tun? Richtig: Ab in den Park zum Technokonzert, Bierchen dabei und danach lauwarme Pommes mit Käsebrocken! Die Konzerte sind jeden Sonntag (zumindest den Sommer über) und genießen einen guten Ruf. Und tatsächlich gab es Musik von der Platte und viele Menschen auf Picknickdecken, mit Kindern, Hunden und kurzen Röcken. Anschließend Poutine. Das ist jene kanadische Spezialität, die so unfein aussieht aber einen großen Bierhunger bestens zu stillen weiß. Lecker.
Claudius


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August 20th, 2008 at 00:27am
L’appétit
Nur damit sich niemand sorgt: Ich esse genug! Es gibt hier viele kleine Läden, in denen man alles kaufen kann. Leckeres Brot beim Bäcker, frisches Fleisch beim Fleischer, lebenden Fisch beim Fischhändler und Kaffee beim Kaffeeröster. Nicht billig, aber gut! Als Ausgleich bin ich dafür den finsteren Mächten der Schoko-Cookies erlegen: Brownies, saftig und nahrhaft und Kekse die man mit beiden Händen halten muss. Hamm!
Claudius



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August 21st, 2008 at 22:46pm
Le chemin de fer
Ja, es können ruhig alle wissen: Ich bin Eisenbahn-Nerd. Ich trage heimlich Schaffneruniform und fertige Züge ab und so eine Fahrkartenstempelzange habe ich mir auch besorgt. Nachts gehe ich manchmal Weichen schmieren und kontrollieren, ob die Kollegen auch alles nach Vorschrift machen. Da kann es dann auch schon mal eine Depesche an die Vorgesetzten geben, Ordnung muss sein!
Claudius


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August 23rd, 2008 at 22:38pm
Le Dépanneur
Der Spätkauf (lange nicht benutzt das Wort). Gibt es hier an jeder Ecke, auch dort, wo man es nicht vermutet. Die Qualität variiert vom sehr gut sortierten Edelkiosk bis hin zur muffigen Kaschemme, betrieben von einer Horde asiatischer Arbeitsbienen. Kaufen kann man meist alles und das bis spät in die Nacht. Ganz wichtig: Bei asiatischen Kiosken gibt es immer eine Kühltruhe, die mit widerlich aussehenden Fleischwaren in Plastikbeuteln gefüllt ist. Immer!
Claudius

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August 26th, 2008 at 13:34pm
L’avenir
Der Geldautomat meines Vertrauens, gerade eben noch 200 Mark abgehoben!
Claudius

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August 28th, 2008 at 01:14am
La nuit
Auch hier ist es nachts dunkel. Manches ist eben doch wie zu Hause…
Anders hingegen ist die beleuchtete Außenwerbung, auch wenn es davon gar nicht so viel gibt. Innfarben sind scheinbar rosa in Kombination mit türkis, sehr schmuck. Und universell einsetzbar: Denn “Roy” ist nicht etwa die örtliche Prolldisko und auch kein Tittentanzcafé sondern, man hätte eigentlich drauf kommen müssen, ein Uhrenfachgeschäft. Man muss halt mit der Zeit gehen.
Claudius

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August 30th, 2008 at 14:18pm
Dans la rue
Hier war am Wochenende Straßenfest. Tatsächlich war es eher eine Mischung aus Sommerschlussverkauf und Polenmarkt: T-Shirts für ‘n Dollar, Ledergürtel für drei (zwei für fünf, da kann man nix sagen). Dazu etwas Musik und der eine oder andere schüchterne Straßenkünstler. Gekauft habe ich natürlich nix.
Claudius


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September 1st, 2008 at 23:23pm
Back to school
Bin ja nicht nur zum Urlaub machen hier: Seit Dienstag bin ich kanadischer Student, mit neuer Nummer (#9425527, auswendig), neuem Namen (Clodiüs Körsch, right?) und vielen neuen Kursen. Die Anfangswoche verlief wie erwartet ruhig, neue Freunde habe ich noch nicht gefunden. Der Campus, der keiner ist, liegt mitten in der Innenstadt und das Hauptgebäude glänzt durch Fitnessstudio und Metrostation im Keller. Zum nächsten Stripclub muss man dann aber doch kurz raus.
Claudius



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September 7th, 2008 at 19:27pm
Le métro
Die Untergrundschnellbahn beeindruckt gleich durch mehrere Eigenschaften: Zum einen ist das Netz erstaunlich klein und besteht nur aus 4 Linien, wovon eine genau 3 Stationen hat. Die Züge, die allesamt noch aus den 60ern und 70ern stammen, fahren auf Gummireifen. Das soll die Fahrgeräusche mindern, was nur zum Teil klappt. Es knarzt halt nicht, sondern dröhnt nur. Mein persönlicher Liebling sind aber die Tickets, die auch aus den 70ern stammen müssen. Denn wenn man hier im Bus einsteigt und möchte mit der Metro weiterfahren, bekommt man eine kleine Lochkarte ausgehändigt. Die muss man dann am Metroeingang artig vorzeigen und in einen Schlitz fummeln und schon geht die wilde Fahrt los!
Claudius

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September 12th, 2008 at 22:50pm
Quarante-deux
Hier war am Sonntag Marathon. Noch nie live gesehen, also hin da. Die Strecke lief praktischerweise direkt durch unsere Straße. Und mit ihr viele schwitzende, stöhnende und rotköpfige Menschen. Einige haben auch geschummelt und sind den Weg im Rollstuhl gefahren.
Los ging es auf der wichtigsten Brücke der Stadt, Ziel der großen Rennerei war das Olympiastadion. Ebenfalls in den ruhmreichen 70er Jahren erbaut, genießt es auch jetzt noch viel Aufmerksamkeit: Denn dank einer etwas zu optimistischen Dachkonstruktion bezahlt die Stadt das Ding angeblich heute noch ab.
Claudius



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September 18th, 2008 at 23:25pm
La courtière
Hier ist es schöne Sitte der Immobilienmakler auf einem Wohnungsangebotsschild vor einem Haus auch immer gleich ein Portrait ihrer selbst mit abzubilden. Das kann gut gehen, muss aber nicht.
Claudius

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September 22nd, 2008 at 12:10pm
Les voitures
So, endlich mal ein interessantes Thema: Autos. Es gibt erwartungsgemäß viele amerikanische Modelle, die zu Recht nie den Weg nach Europa geschafft haben (weil sie wahrscheinlich auf der Überfahrt verrostet wären). Zudem sind hier die japanischen Marken viel präsenter, etwa Subaru und vor allem Honda, die mit Acura einen eigenen Luxus-Ableger haben. Erwähnenswert ist noch ein GM-Verbrechen namens Saturn: Undefinierbare Metallklumpen, sehen so aus wie Autos in der Werbung, wenn die Marke nicht erkennbar sein darf…unglaublich. Geprollt wird hier übrigens nicht mit getunten Kleinwagen sondern mit riesigen PickUp’s (Dörfler) oder Ford Mustangs (Städter). Da aber jeder Lieferwagen einen Achtzylinder hat muss man sich schon ganz schön was einfallen lassen, damit sich überhaupt irgendjemand umdreht.
Claudius



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September 25th, 2008 at 23:37pm
Orange
Ja, es ist Herbst geworden. Trendfarbe für Bäume und anderes Naturzeugs ist dieses Jahr offenbar orange. Nicht schlecht, wie ich finde, passt ja sowohl zu blauem wie auch zu grauem Himmel. Man steht allerdings schnell als staunender Tourist dar, da Laub fotografieren bei den Kanadiern nicht so populär ist wie bei mir! Zu Unrecht. Der nahende Winter bedeutet allerdings nicht nur, dass sich die Bäume lustig verfärben und die putzigen Grauhörnchen sich ihren Winterspeck aus unserer Mülltonne anfuttern: Zu den kürzer werdenden Tagen gesellen sich nun auch wieder länger werdende Röcke…
Claudius


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October 1st, 2008 at 23:30pm
Le poids lourd
Ahh, LKWs. Für mich persönlich ein weiterer Quell der Freude. Denn die meisten hier sehen genau so abgehalftert aus wie in Filmen mit Kurt Russell. Vor allem bei Tankwagen schaue ich immer ganz genau hin ob nicht gerade jemand an der Außenwand nach vorne klettert um den Fahrer umzunieten oder das Gespann in eine Gefängnismauer zu lenken und alles in die Luft zu jagen. Bisher noch nicht passiert. Könnte aber, wer weiß.
Claudius

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October 5th, 2008 at 22:20pm
La fête de l’Action de grâce
Zu Deutsch: Erntedank und auf Englisch das berühmte Thanksgiving (allerdings ist das amerikanische Thanksgiving an einem anderen Tag). Hier wird auf jeden Fall am Montag frei gemacht und auch ich möchte die Gelegenheit nutzen um den vielen Leckereien, die ich hier täglich verspeise, meinen Dank aussprechen: Da wäre das überraschend gute Brot, sehr billiger Fisch und teurer, aber lohnenswerter Käse. Ich trinke ausreichend kanadisches Bier, gerne mit Crackern, Nüsschen oder vor Aromen strotzenden Chips. Erdnussbutter, Ahornsirup und Backwaren aller Art runden meine Ernährungspyramide gelungen ab.
Ergibt auf der Waage: 70 Kilo. Da lohnt sich ein Danke!
Claudius

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October 10th, 2008 at 00:12am