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Everyday life

Oha, wie die Zeit vergeht, die erste Hälfte meines Semesters ist schon um. Die Aufregung der ersten Tage ist schnell einem Arbeitspensum gewichen, wie es meine Maushand noch nicht erlebt hat. Obwohl ich nur vier der möglichen fünf Kurse belege muss ich mir wohl bald einen Praktikanten besorgen, der für mich einkauft und mich wäscht. Aber ich will nicht klagen, nach einer kurzen Stärkephase im ersten Semester darf man dann im fünften ja auch mal wieder was tun: Morgen, bis 22:30 Uhr, Raum 5.709.
Claudius

1 comment | October 14th, 2008 at 23:08pm

Le nouveau monde

Mit einem einzigen amerikanischen Dollar im Säckel habe ich mich bei Kaiserwetter aufgemacht die neue Welt zu entdecken. Ziel: Boston, Massachusetts. Nachdem ich mir an der Grenze als verweichlichter Schengen-Europäer fast in die Hose gemacht habe und immer brav ”No” angekreuzt habe, war ich also drin. Zu sehen gab es von allem genug: Stadt, Land, Strand, Ozean, Harvard, Gaslaternen und Benzin für 80 Cent pro Liter. Besonders beeindruckt hat mich wie gut auch die älteren Leute hier Englisch sprechen. Toll! An Klischee gab es leider gar nicht so viel zu sehen: Keine Cowboys, keine Knarren und auch keine Indianer. Nur ein paar Flaggen, Wahlplakate und ein ganz wenig Finanzkrise.
Claudius

1 comment | October 17th, 2008 at 23:59pm

L’avenue du Mont-Royal

Da ich hier nach mehr als drei Monaten natürlich längst verachtungsvoll auf stolpernde Touristen schaue, erlaube ich mir mal einen echten Insidertip für alle die, die hier nur Urlaub machen: Denn jene Straße, die vom tatsächlichen Mont-Royal über das Plateau verläuft, ist wirklich sehenswert. Es beginnt im ehemaligen jüdischen Teil der Stadt mit vielen kleinen Läden, Restaurants und Kneipen und endet im Osten mit noch mehr Läden, Restaurants und Kneipen. Dazwischen gibt es alles in allen Farben und Größen, von Klamotten über Perücken und Plattenläden bis hin zu zweifelhaften Gebrauchtwarenshops, wo man sich sein geklautes Fahrrad wieder zurückkaufen kann.
Claudius

2 comments | October 23rd, 2008 at 23:52pm

Le MIT

Was für Zeitsoldaten der Ballermann und für Frauen ein neuer Schuhladen ist, ist für Nerds das MIT. Mit vollem Namen Massachusetts Insitute of Technology. Hier ist unter anderem das legendäre Media Lab zuhause, der Olymp eines jeden Computerfreaks. Hier wurde so ziemlich alles erfunden, was es gibt, grob zusammengefasst. Ich habe mich mit herumspazieren begnügt und das Erfinden von neuen Technologien erstmal sein lassen, war ja schließlich Wochenende. Zu sehen gab es trotzdem eine Menge: alte Architektur, neue, undichte Architektur, Baustellen für Labore für noch mehr Erfindungen, viel Ordnung und Sauberkeit und das Lego-Research Lab mit so vielen Legosteinen wie man es sich als Kind immer erträumt hat.
Claudius

Add comment | October 30th, 2008 at 23:25pm

Go Habs Go!

Einer der Punkte die auf meiner Unbedingt-machen-Liste standen war der Besuch eines Eishockeyspiels. Obwohl in Lüneburg und somit nahe des damals erfolgreichen Adendorfer ECs aufgewachsen habe ich es bisher noch nie als Zuschauer in eine der niedertemperierten Mehrzweckhallen geschafft. Bis jetzt: Denn nun war ich plötzlich Gast im ausverkauften Hause des Tabellenzweiten der Eastern Conference und einem der Gründungsmitglieder der NHL, den Montreal Canadiens. Dem attraktiven Bierpreis (9.75$) konnte ich natürlich nicht widerstehen und so gab es zwei Stunden sehr männliche Unterhaltung mit Zuprosten, Regelfragen an den Sitznachbarn und schließlich einem hart erkämpften Heimsieg.
Claudius

Add comment | November 2nd, 2008 at 17:58pm

L’électronique

Durch einen meiner Kurse wurde meine Kenntnis einer schon fast vergessenen Spezies wundersamer Menschen wieder aufgefrischt: den Elektronik-Nerds (die rechtmäßigen Nachfahren der Hobbyfunker). Diesen meist spröden Zeitgenossen kann kein normales Elektrogerät mehr recht gefallen: Da wird das iPhone gemodded, die Amperezahl am Laptop-Netzteil kritisiert und technische Daten auswendig gelernt um ein eingeschlafenes Gespräch jederzeit mit einem Einwurf wie: “Bei 2,1 Volt halten rote LEDs bis zu 40000 Stunden.” auflockern zu können. Weitere wichtige Merkmale sind zwei eigene Lötkolben (ein alter und ein neuer), schlimme Wurstfinger und keinerlei Gespür für Ironie.
Claudius

2 comments | November 7th, 2008 at 00:12am

Le vieillissement

Puh, nach der hitzigen Stimmung in den Kommentaren werde ich mal versuchen wieder etwas Ruhe in den Laden zu bekommen…
Zur Beruhigung gibt es ein schönes Bild von rumstehenden Männern im besten Alter: Mit Schnurrbart, Kapperl und Kniestrümpfen.
Schnell alt werden.
Claudius

4 comments | November 12th, 2008 at 20:37pm

La langue française

Elle est belle. Et en plus, elle est riche.
So sehr Frauen mittleren Alters Saxophone als “tolles Instrument” schätzen, so beliebt sind auch Kommentare über die Schönheit der französischen Sprache. Da ich mich mittlerweile auch leichter damit tue und offen mit meinem mangelndem Vokabular umgehe (mein Tip: einfach drauf zeigen und irgendwas murmeln), klappt das Leben außerhalb der Uni recht zuverlässig. Auch wenn lächeln und nix sagen nach wie vor eine wertvolle Tugend ist. Denn immer noch komplett außerhalb meiner linguistischen Reichweite: Eishockey-Kommentatoren, Marktschreier und Nummernansagen jeglicher Art. Pardon?
Claudius

3 comments | November 20th, 2008 at 20:39pm

Greetings

Liebe Mutti, lieber Vati,
mir geht es weiterhin gut. Auch wenn es draußen schon nachmittags um vier dunkel wird sind meine Nächte gerade eher kurz. Denn die letzte Semesterwoche ist angebrochen und nun will eingehalten werden, was man im Sommer lautstark als “nicht so schwierig” und “da mach ich mich mal schlau” verkauft hat. 
Schnell noch zum Wetter: Es ist ein wenig winterlicher geworden. Wenn es mal ein paar Flocken schneit werden die Gehwege allerdings gleich mit Pistenbullis geräumt. Wahrscheinlich ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen kann. Mein Zimmer ist dank 1200 Watt Elektroheizung aber schön warm und draußen trage ich natürlich ausschließlich lange Unterwäsche.
Ich esse weiterhin viel und möglichst fett um mich schon bald in den Winterschlaf zu legen.
Wahnsinnig, Claudius.

1 comment | December 3rd, 2008 at 00:16am

Done.

So, fertig mit Studieren: Seit heute, 17:30 Uhr bin ich wieder Tourist. Das letzte Projekt ist präsentiert und abgegeben. Es gibt noch ein paar Kleinigkeiten zu erledigen, wie etwa all meine tollen Projekte von den Professoren wieder einzusammeln, aber der stressige Teil ist nun erstmal rum. Morgen ist noch Elektronikteile-Flohmarkt im kleinen Kreis, da muss ich natürlich noch mal hin und werde versuchen ein paar sexy Sensoren oder ein Multimeter abzustauben. Damit mein Koffer auf dem Rückflug auch auf jeden Fall wegen Bombenalarms gesprengt wird.
Claudius

2 comments | December 10th, 2008 at 23:11pm

Les premières neiges

Wenn die jugendliche Damenwelt in langem Pulli, Leggins und bunten Gummistiefeln durch die Stadt stapft muss das einen Grund haben: Schnee, oder schlimmer noch: Winter. Der thermosensible Herr trägt entweder riesige Nordpol-Moonboots, natürlich mit Hose drinnen, oder schlauchbootähnliche Überziehschuhe aus Gummi über dem gelackten Businessschuhwerk. Der generelle Laufstil auf den vereisten Gehwegen ähnelt dem in Skischuhen wenn man sich zusätzlich noch in die Hose gemacht hat. Ein Träumchen.
Auch ich stapfe in neuen Botten eifrig mit und habe bisher noch keinen sterbenden Schwan zu vermelden. Lob an mich,
Claudius

Add comment | December 16th, 2008 at 01:13am

Le pere Noël

An meiner Uni, unglaublich!
Claudius 

2 comments | December 19th, 2008 at 14:27pm

Joyeuses Fêtes

Frohes Fest.
Ich hatte dieses Jahr richtig Glück und der Weihnachtsmann hat mir genau das gebracht, was ich schon immer haben wollte: Den neuen Inno 89!
Da muss ich wohl sehr artig gewesen sein.
Überglücklich,
Claudius.

2 comments | December 26th, 2008 at 16:20pm

Bonne année

Fünf Tage später als in Deutschland ist nun auch hier das neue Jahr eingekehrt (Zeitverschiebung). Das ist gut, da kann ich dann immer sagen: “Ich war 2008/2009 in Canada.” Hui, das klingt lang.
Neuigkeiten gibt es derzeit nur von der Kuchenfront: Es gibt tatsächlich nicht eine Cookiesorte die mich geschmacklich komplett befriedigenden kann und als sättigende Mahlzeit taugt. Ärgerlich. Einzig das Feingebäck und die raffinierten Törtchen vom Konditor taugen wirklich was, wenn es um beißenden Kuchenhunger geht. Unbedingt zu vermeiden ist jeglicher Schokoersatz: Das ist ein braun gefärbter Fettbrei, dem Geschmack nach auf Basis von Sägespäne oder Altpapier, der anstelle von richtiger Schokolade in Kuchen gemanscht oder in Keksen verbacken wird. Bäh.
Claudius

3 comments | January 5th, 2009 at 11:10am

Le Gym

Damit bloß keiner denkt, ich komme genau so wieder, wie ich gefahren bin: Dank Muckibutze im Untergeschoss meiner Uni und einer Testpackung bolivianischer Anabolika im Arm habe ich mich auf gemacht das Reich der weißen Tennissocken und Sporttangas zu erkunden. Und das mit überwältigendem Erfolg: Für apfelsinengroße Hoden und O-Beine hat es leider nicht gereicht und auch das geheime Zeichen der schwitzenden Kraftmeier, das Bluetooth Headset im Ohr, blieb mir verwährt. Aber ich habe, und darauf bin gerade ich sehr stolz, meine Bikinifigur wiedererlangt und endlich zwei Kilo abgenommen!
Claudius

3 comments | January 13th, 2009 at 12:43pm

L’hiver

Der Winter besteht hier aus zwei Teilen. Zum einen Schnee: Kommt in üppigen Mengen und ist schick anzusehen, eher der touristische Teil. Und die Kälte: Schlecht zu fotografieren und auch nicht so einfach weg zu räumen und daher eher was für Kenner und echte Kanadier.
Als solcher kann man derzeit Temperaturen um die -30ºC genießen, die sich je nach Wind aber ganz unterschiedlich anfühlen……manchmal sogar nur wie laue -22ºC. Das ist zwar überhaupt nicht ungewöhnlich, aber trotzdem wurde mir in der Zeitung noch mal erklärt, dass man mit weißen, gefühlstauben Stellen auf der Haut doch bitte zügig zum Arzt gehen soll.
Ich habe soweit überlebt, meine Zehen sind noch alle dran, und in ein paar Tagen bin ich ja auch schon wieder im subtropischen Oldenburg.
Claudius

3 comments | January 17th, 2009 at 18:32pm

L’argent

Die letzte Woche ist angebrochen und das heißt nicht nur langsam Koffer packen, sondern auch alles wegschmeissen, was nicht mit auf die Heimreise darf. Neben vielen leeren Kartons (was auch immer ich damit vor hatte) und alten T-Shirts muss stromspannungsbedingt leider auch eines meiner Projekte aus dem Studium hier bleiben.
Der angenehme Teil ist aber, dass ich all meine kanadischen Dollar ausgeben kann, die ich noch habe. Und ich musste sogar schon welche vom Automaten holen, so viel Spaß macht das! Ein tolles Hobby, das ich in Oldenburg weiter betreiben werde. Auch wenn mir das Lächeln der Königin sicher etwas fehlen wird.
Claudius

5 comments | January 19th, 2009 at 22:31pm

Bonne journée

Freitag Morgen, 09:05 Uhr deutscher Ortszeit, wird aus Canada wieder Kanada.
Eine tränenreiche Hymne auf diese tolle Stadt und meine sechs Monate hier erspare ich mir. Ein kleines Fazit muss aber erlaubt sein: Alles richtig gemacht. Richtige Stadt, richtige Uni, richtiges Appartement, richtiger Euro/Dollar-Wechselkurs. Allein die Qualität der Süßwaren hinterlässt etwas Zahnbelag auf meinem ansonsten strahlenden Lächeln…
Mit meiner Zeit in Montreal endet auch dieser Blog. Die Seite bleibt bestehen, aber das einzig Aktuelle wird dann das Wetter sein. Letzte Chance also für einen pfiffigen Kommentar und ein paar aufmunternde Worte für den schweißtreibenden Rückflug (wenn das im Flugzeug so runter geht……uuh).
Ab morgen also wieder Moin.
Salut,
Claudius

3 comments | January 22nd, 2009 at 00:11am

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